DemenzHilfe Oldenburg e.V.

INFORMATIONS- und BERATUNGSSTELLE

Tagung „Beratung bei Demenz – Bedarfe und Konzepte“

Die Tagung „Beratung bei Demenz – Bedarfe und Konzepte“ fand am 30. November 2017 in Berlin statt.

Im Folgenden finden das Grußwort von Prof. Dr. Matthias von Schwanenflügel, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Veranstaltung.

 

Grußwort von Prof. Dr. Matthias von Schwanenflügel, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Veranstaltung „Beratung bei Demenz – Bedarfe und Konzepte“, Deutsche Alzheimer Gesellschaft, 30.11.17 LV Niedersachsen, Berlin

„Kommt Zeit, kommt Rat“, so der Volksmund. Darauf sollte man sich nicht verlassen, sonst ist man schnell verlassen. Gerade wenn es darum geht, die passgenaue Unterstützung für Menschen mit Demenz zu entwickeln, sind wir auf Wissen und Kompetenz qualifizierter Ratgeber angewiesen. Beratungsbedarf entsteht generell bei zunehmender Komplexität der Lebenslagen, wenn neu auftretende Probleme bewältigt werden müssen. Das ist „normal“, alltäglich und nicht als pathologischer Sonderfall zu bewerten. Beratung gehört zum Leben.

Professionelle Beratung geht aber über den alltäglichen oder gelegentlichen „Rat“ weit hinaus. Sie versteht sich als Aushandlungsprozess, erschließt ressourcenorientiert Möglichkeiten, wirkt vernetzend und begleitet. Die Ansprüche, die sich daraus an Beratende ergeben, sind hoch gesteckt. Gefragt sind neben der Fachlichkeit spezifische Schlüsselkompetenzen von Empathie bis hin zu therapeutischen Fähigkeiten. Es ist von grundlegender Bedeutung, sich hier zu Qualitätsmaßstäben zu verständigen, um von eine gemeinsamen und konsentierten Basis aus handeln zu können, um Beratungsergebnisse evaluieren zu können und um Vertrauen und Sicherheit an potenzielle Klienten zu vermitteln. Begleitung und Betreuung von Menschen mit Demenz stellt Pflegende immer wieder vor Probleme, die sie mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen oft nur unzureichend lösen können. Ein zentraler Dreh- und Angelpunkt liegt deshalb in einer begleitenden Beratung und der Förderung der Kompetenzen Pflegender. Gut informierte Angehörige sind für die Fürsorge Demenzkranker äußerst wichtig, auch in Hinblick auf Prävention in eigener Sache. Sie haben einen hohen Bedarf und ein großes Bedürfnis an Beratung für ihre Situation. Gefragt sind gezielte Informationen zur Krankheit, zum Umgang mit ihr im Alltag und konkrete Unterstützungs- und Hilfsangebote. Wir müssen davon ausgehen, dass – emotional und zeitlich - besonders stark belastete pflegende Angehörige oft nicht in der Lage sind, eine Beratung anzufordern.

Hinderungsgründe, eine öffentliche Informationsveranstaltung oder eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, ist nicht nur der Mangel an Zeit, sondern daneben auch nach wie vor oft die Scham für die Krankheit des demenzkranken Angehörigen. Aber auch die Erkrankten selbst schämen sich, sie meiden Außenkontakte, ziehen sich zurück. Für Beratende sind sie schwer zu erreichen. Scheu, Hemmungen und Schwellenangst sind für viele ältere Menschen Hindernisse, Beratung und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Beratung in Anspruch zu nehmen bedeutet für viele persönliches Versagen: Es ist wie ein Offenbarungseid.

Wenn die Angebote die Menschen erreichen und rechtzeitig wirksam werden sollen, muss schon früh Vertrauen aufgebaut werden. Beratung kann nicht in Lebenssituationen hineinplatzen und sie kann auch kein Einzelereignis bleiben. Das Element einer präventiven und kontinuierlichen Beratung gilt es zu stärken, die nicht nur Hilfen für individuelle Bedarfslagen erschließt, sondern selber Hilfe darstellt. Denn „Rat ohne Hilfe ist wie eine Tür ohne Klinke“.

Erfahrungsgemäß reicht es nicht aus, niedrigschwellige Informations-, Unterstützungs- und Entlastungsangebote bereit zu stellen. Pflegende Angehörige müssen auch Gelegenheit haben, zu lernen, wo Belastungsgrenzen erreicht sind, Hilfen nachzufragen und anzunehmen. Mit dem Alzheimer Telefon, das im Rahmen des Leistungsvertrags mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft vom BMFSFJ unterstützt wird, gibt es seit 2002 eine anonym nutzbare Beratungs- Hotline, die inzwischen bis zu 6000 Anrufe im Jahr beantwortet, die im Übrigen auch von professionellen Pflegekräften kommen. Selten noch kommen Anfragen von Menschen mit Demenz – aber mit steigender Tendenz. Dabei ist für die Angehörigen gerade zu Beginn der oft unerwartet eintretenden Betreuungsund Pflegesituation des Partners, des Vaters oder der Mutter eine frühzeitige umfassende Information und Aufklärung besonders wichtig. Sie helfen, die neue und schwierige Lebenssituation für alle Beteiligten klarer zu erkennen, zu strukturieren und zu erleichtern, wo es eben geht. Wem Hintergründe und Zusammenhänge bekannt sind, der kann vorhandene Unterstützungs- und Hilfsmöglichkeiten auch leichter annehmen.

Mit unserem Internetportal Wegweiser Demenz tragen wir seit 2009 dazu bei, Bürgerinnen und Bürgern Wissen zu Demenzerkrankungen und Hilfemöglichkeiten zu vermitteln und sie so zu befähigen, Demenz besser zu verstehen, sich in Foren Antworten auf offene Fragen zu holen und die ihnen zustehende Unterstützung aktiv einzufordern. Dennoch fehlt es in der Bevölkerung immer noch an Basiswissen und an Transparenz. Die Beratungslandschaft ist vielfältig, bunt und in jedem Bundesland anders aufgestellt. Verbände, Pflegestützpunkte, Kranken- und Pflegekassen, Pflegedienste, kommunale Anlaufstellen – sie alle leisten mit Sicherheit großartige Arbeit. Viel wichtiger wäre es jedoch, wenn sie sich zielgruppenspezifisch abstimmen und sich ergänzend vernetzen würden.

Das Pflege-Stärkungsgesetz III nimmt einen Anlauf dazu: Es sieht eine Übertragung von Beratungsaufgaben auf die Kommunen vor. Ziel der Modellkommunen Pflege ist es, die Beratung zu verbessern, indem sie mit den kommunalen Leistungen verzahnt wird. Der sozialräumliche, ganzheitliche Ansatz entspricht den Bedürfnissen der Menschen vor Ort, die Beratung und Hilfe in ihrem Lebensumfeld benötigen. Das ist im Übrigen auch der Ansatz unserer Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz. An inzwischen 500 Standorten sind Vernetzungen entstanden, häufig in Trägerschaft von Kommunen und unter Mitwirkung von Alzheimer Gesellschaften, die Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen mit ihren Angeboten im alltäglichen Leben wirkungsvoll unterstützen. Einige von Ihnen widmen sich auch den Problemen von Kindern und Jugendlichen, die erkrankte Familienangehörige betreuen oder pflegen. Und das ist keine Randgruppe. Nach einer Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) versorgen und pflegen immerhin rund 230.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland regelmäßig Angehörige. Diese spezielle Zielgruppe benötigt andere Ansprache und andere Zugangswege, um von Beratung und Hilfe profitieren zu können.

Um diese jungen Menschen zu unterstützen, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) das Projekt „Pausentaste – Wer anderen hilft, braucht manchmal selber Hilfe. Das Angebot für Kinder und Jugendliche, die sich um ihre Familie kümmern“ ins Leben gerufen. Ein wichtiges Anliegen für Bundesministerin Dr. Barley. Oft sind pflegende Kinder und Jugendliche körperlich überanstrengt, haben neben Schule und Pflege zu wenig Freizeit und stehen mit ihren Sorgen und Ängsten allein da. Für diese Kinder und Jugendlichen wird es mit dem Projekt „Pausentaste“ erstmals auf Bundesebene ein
Unterstützungsangebot geben. Ab dem 1. Januar 2018 bekommen sie Hilfe und Rat beim Kinder- und Jugendtelefon der „Nummer gegen Kummer“ - unter der kostenlosen Nummer 116 111. Die Beratung ist anonym und wird von Montag bis Samstag jeweils von 14 bis 20 Uhr angeboten. An Samstagen findet auch eine „Peer-to-Peer“–Beratung durch speziell ausgebildete Beraterinnen und Berater im Alter von 16 bis 21 Jahren statt. Auch online können sich Betroffene unter www.nummergegenkummer.de Rat und Hilfe holen. Eine Website zum Projekt „Pausentaste“ wird zum Beginn des Jahres 2018 zudem Informationen beispielsweise zu Erkrankungen und Kontaktadressen zu weiteren Hilfsangeboten zur Verfügung stellen. Das Projekt soll zunächst die pflegenden Kinder und Jugendlichen unterstützen, darüber hinaus aber auch Multiplikatorinnen und Multiplikatoren (z.B. an Schulen, bei Jugendverbänden) sowie die Öffentlichkeit einbeziehen. Ein Netzwerk soll im Hintergrund unterstützen und sich zukünftig jährlich zu Fachfragen austauschen.

Sehr geehrte Damen und Herren, Wenn Beratung hilfreich sein soll, sind zwei grundlegende Regeln wichtig: Sie muss sich immer am individuellen Bedarf orientieren und sie sollte die Ratsuchenden befähigen, ihr eigenes Leben möglichst aktiv und eigenständig gestalten zu können. Ziel guter Beratung ist es, sich
selbst überflüssig zu machen! Der Deutschen Alzheimer Gesellschaft möchte ich an dieser Stelle für ihr Engagement und diese sehr gelungene Veranstaltung besonders danken! Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam weiter gehen – die Menschen mit Demenz brauchen unsere Unterstützung!

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